Kommentare und Daten

aktuelles Geschehen, oder einfach nur Kommentare…

Aus der Kategorie “Zwischenbericht” hier einige Daten und Fakten


10/2019

Karten (Stand 06/2019)

Es wurde zwischen 2016 und 2019 AKTIV und PASSIV Nachweise und Hinweise gesammelt. Passiv, bedeutet, dass durch die Homepage eine Plattform geschaffen wurde, über welche Zufallssichtungen gemeldet werden können.

Im Jahr 2016 wurden alle österreichischen Jagdverbände eingeladen sich an der Nachweissuche und Bestätigung zu beteiligen. Es wurde daraufhin von manchen diese Information über Verteiler oder Newsletter an die Jagdkartenbesitzer weitergeleitet. Darüber hinaus gab es zwischen 2016 und 2018 die Möglichkeit sich über die Citizen Science Österreich Homepage zu informieren und Sichtungen zu melden. Hierbei gab es zu einem Großteil Meldungen von Fuchs-Sichtungen. (Als F vermerkt)

Pyramiden = C1 (bestätigte Nachweise)

Sterne = C3 (Hinweise, ohne handfesten Beleg)


Die farbigen 10x10km (nächste Abb.) zeigen, dass hier aktiv bioakustisches Monitoring durchgeführt wurde. Dunkelgrün bedeutet, dass hier eine Gruppe über 2 Saisonen beobachtet werden konnte. Violet deutet darauf hin, dass hier trotz zweifacher Überprüfung nur in einem Jahr eine Antwort erzielt wurde. Hellgrün bedeutet, dass hier an zumindest einem Punkt Rufmonitoring durchgeführt wurde (ohne positive Antwort). Es wurde immer gemeinsam mit Grundbesitzer und/oder Jagdausübungsberechtigtem durchgeführt. (unter downloads finden Sie weitere Informationen über das akustische Monitoring)

KEINE ANTWORT bedeutet aber natürlich nicht, dass keine Goldschakale in dem Gebiet gesichtet werden können. Es kann immer sein, dass die Tiere nicht antworten – wobei zu erwähnen ist, dass sie generell sehr leicht zu stimulieren sind. In “neu” besiedelten Gebieten kann aber durchaus eine eindeutige Antwort ausbleiben. Da die Tiere sehr heimlich leben und nachtaktiv/ bzw. dämmerungsaktiv sind, ist es daher nicht verwunderlich, dass man sie oft sehr lange nicht oder nur sehr selten wahrnimmt.

Es ist zu vermerken, dass in manchen Gebieten von Goldschakalvorkommen berichtet wurde, jedoch eine handfeste Bestätigung bisher ausblieb.



Ein Zwischenergebnis, der Anzahl bisher katalogisierten Nachweise, lässt sich wie folgt darstellen. Hier nach Bundesländern aufgeteilt (BAM C1 = positive Antwort durch akustisches Monitoring). 2019 fand erst in der Steiermark bioakustisches Monitoring statt (ohne pos. Antwort). Es wurden in den letzten 3 Jahren knapp 300 “Rufpunkte” durchgeführt.

Zitation: Hatlauf J (2019): Kurzfassung – Projektbericht 10/2019. Goldschakalmonitoring in Österreich (2016-2019). Universität für Bodenkultur Wien (in Bearbeitung) 

aktuelle Karte 10/2019

Eine differenzierte Betrachtung ist natürlich notwendig, da die (passive) Datensammlung sowohl von der “Meldefreudigkeit” z.B der Jägerschaft und der Bevölkerung abhängt als auch das akustische Monitoring (aktive Sammlung) quasi von der “Meldefreudigkeit” der Goldschakale. Diese Darstellungen zeigen also eine Minimum-Zahl. Es ist auch noch weiter zu untersuchen, wie Gruppen mit benachbarten Gruppen zusammenhängen, und ab welchem Punkt man diese als zwei Gruppen bezeichnet. Dies wird international diskutiert und soll in Zukunft weiter untersucht werden.

“Günstiger Erhaltungszustand” ?

Definition

In Österreich wurden zwischen 2016 und 2019 11 Gruppen (mögliche Reproduktion) – siehe Karte (also min. 2 Tiere auf einer Fotofalle / oder durch akustisches Monitoring) bestätigt. Berichten zufolge kann man annehmen, dass es  noch weitere 2-4 Gruppen (als. Minimum) gibt, die bisher nicht bestätigt werden konnten. Österreich befindet sich in der Mitte des Ausbreitungsszenarios – im Süden (Ungarn) bereits etablierte Reproduktion und im Norden (zb. Deutschland) nur vereinzelte Zufallshinweise.

Auf der Karte markiert die Zahl nach dem / das Jahr in welchem die Gruppe bestätigt werden konnte.

Sich ausbreitende Individuen dürfen nach EU FFH Richtlinie nicht daran gehindert werden sich anzusiedeln und die Population darf nicht daran gehindert werden einen günstigen Erhaltungszustand zu erreichen. Für die europäische “kontinentale” Population gibt es Schätzungen von etwa 114.000 Individuen, eine detaillierte Bewertung muss aber dennoch pro Land geschehen. Eine schwierige Angelegenheit, z.B. bei Tieren genau in den Grenzgebieten.

Ob sich in einem einzelnen Bundesland in Österreich bereits ein günstiger Erhaltungszustand etabliert hat kann man anhand dieser Daten kaum bestätigen. Um das festzustellen müssen bereits erhobene Gruppen in Zukunft weiterhin beobachtet werden/ bzw. weitere Tiere erfasst werden. Es darf demnach die Anzahl der Gruppen nicht abnehmen um der Erreichung eines günstigen Erhaltungszustand nicht entgegenzuwirken. Darauf muss man Rücksicht nehmen und die Gruppen dürfen eben nicht “ausgerottet” werden.

Bejagung an sich ist durch die Listung des Goldschakals in Anhang V (FFH Richtlinie) unter gewissen Vorraussetzungen im Rahmen (z.B. Monitoring). In den meisten Ländern mit konstanter Reproduktion innerhalb des Vorkommensgebietes findet Bejagung statt (mit einigen Ausnahmen, wie z.B. Italien). Siehe hierzu auch Trouwborst et al. 2015 (Legal implications of range expansions in a terrestrial carnivore: the case of the golden jackal (Canis aureus) in Europe.) Bei hohem Jagddruck beginnen in Südafrika z.B Schabrackenschakale jünger zu reproduzieren, mit mehr Jungtieren. In einer Studie in Bulgarien erwies sich, dass bei hoher Dichte Territorien schnell wieder nachbesetzt werden. Ob Bejagung von Raubsäugern generell sinnvoll ist, wird bereits oft gesondert diskutiert, jeden Falls sollten weitere Managementmassnahmen überlegt, getestet und wissenschaftlich untersucht werden. Lebensraumverbesserungen und Mitnehmen des Aufbruchs sind hierfür erste Ansätze.

Rechtlicher Status in Österreich 

Schusszeiten für den Goldschakal in Österreich gibt es bereits seit einigen Jahren in Oberösterreich (Oktober bis März). In Niederösterreich ist er KEIN jagdbares Wild und befindet sich zur Zeit rechtlich in einem ungeklärten Graubereich. In der Steiermark, Kärnten und in Salzburg zählt er bereits zu jagdbarem Wild, wird aber ganzjährig geschont. In den weiteren Bundesländern ist er automatisch im Naturschutzgesetz (Tirol z.B.) oder streng geschützt (Wien).


Nachbarländer

Um Österreich nicht aus dem System herauszunehmen, folglich noch ein paar Zahlen aus zwei Nachbarländer, in denen sich in den letzten zehn Jahren Goldschakale konstant und sehr rasch vermehrten.

In Ungarn wird der Goldschakal ganzjährig bejagt, hier die Abschusszahlen der letzten Jahre (offizielle Jagdstatistik).


In Slowenien gab es 2009 die ersten Belege von Goldschakalgruppen und zuletzt, durch aktive Erhebungen zwischen 2016 und 2019 konnten 249 verschiedene Bereiche (Areale) mit Goldschakalnachweisen verzeichnet werden (Potocnik et al. 2019, Tagungsbericht AGJSO).