Über das Projekt

Die wichtigsten Infos zum Goldschakalprojekt in Österreich – Ziele, Methoden und Kooperationen.

Seit Oktober 2015 ist das Goldschakalprojekt am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) die Anlaufstelle für den Goldschakal in Österreich. Hier werden Hinweise aus allen Bundesländern zusammengeführt, nach international anerkannten Kriterien geprüft und wissenschaftlich ausgewertet – mittlerweile über 1.000 Hinweise, mit Datensammlungen, die bis zu den ersten Nachweisen in Österreich zurückreichen. Initiiert wurde das Projekt von Dr. Jennifer Hatlauf; den Start ermöglichte ein BOKU-Forschungsstipendium für Graduierte. Das Projekt arbeitet wissenschaftlich unabhängig.

Am Anfang standen Methoden, mit denen sich das Vorkommen des Goldschakals effizient nachweisen lässt – gefördert von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seither ist das Projekt stetig gewachsen: In bilateralen Projekten mit Ungarn und der Slowakei wurden die Grenzregionen systematisch untersucht, für den Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel entstand eine Broschüre, und internationale Kooperationen verbinden die Arbeit in Österreich mit der Forschung in ganz Europa.

Feuchtgebiet als Lebensraum des Goldschakals
Reich strukturierte Feuchtgebiete zählen zu den Lebensräumen des Goldschakals.

Ziele

Der Goldschakal breitet sich in Österreich weiter aus. Damit diese Entwicklung verlässlich verfolgt werden kann, setzt das Projekt auf einheitliche Standards: Die Kriterien zur Beurteilung von Hinweisen (Hatlauf & Böcker 2021) wurden hier mitentwickelt und sind heute eine Grundlage für das Monitoring im deutschsprachigen Raum. Über die Meldeplattform kommen laufend neue Hinweise dazu – sie fließen in Verbreitungskarten ein, die wir wieder öffentlich zur Verfügung stellen möchten.

Daneben steht die Grundlagenforschung:

  • Was fressen Goldschakale in den Regionen, in die sie neu einwandern? (Analyse von Losungen und Mageninhalten)
  • Welche Lebensräume nutzen sie in Österreich?
  • Wie verhalten sie sich während der Ausbreitung?
  • Wie hängen die Familien zusammen, und wie lassen sich einzelne Tiere erkennen?

Methoden

Mittels bioakustischer Stimulation wurde in Gebieten mit (alten oder neuen) bestätigten und unbestätigten Nachweisen nach Goldschakal-Gruppen gesucht. An ausgewählten Luderplätzen wurden Kamerafallen montiert und in Zusammenarbeit mit Jägerschaft und Naturschutz geeignete Gebiete kontrolliert. Spürhunde unterstützen nationale und internationale Projekte.

Wildkameras für das Monitoring
Kamerafallen für das Monitoring.
Spürhund des Goldschakalprojekts im Einsatz
Spürhund im Einsatz – mehr zu den Spürhunden

Ein großer Teil der Hinweise stammt von einzelnen Jäger*innen, die Beobachtungen, Fotofallenbilder sowie erlegte oder tot aufgefundene Tiere melden – oft aus eigenem Antrieb. Ohne dieses Engagement wäre ein flächendeckendes Bild nicht möglich. Dafür danken wir herzlich.

Umgang mit Daten

Alle Meldungen werden am IWJ der BOKU geführt, geprüft und langfristig gesichert. Genaue Fundorte veröffentlichen wir nicht, und persönliche Angaben der Meldenden geben wir nicht weiter.

Die Ergebnisse fließen in wissenschaftliche Publikationen und Verbreitungskarten ein; anonymisierte, bestätigte Nachweise werden zudem in internationale Verbreitungskarten eingebracht.

Bewusstseinsbildung

Ein wichtiger Bestandteil des Projektes ist nach wie vor die Bewusstseinsbildung und Kommunikation mit Interessensgruppen. Deshalb halten wir gerne Vorträge und Workshops über den Goldschakal und andere große Beutegreifer.

Um den Schakalen weltweit mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, hat das Goldschakalprojekt 2023 den World Jackal Day ins Leben gerufen – den Internationalen Tag der Schakale, jedes Jahr am 19. April. Dazu gehören ein Online-Webinar für alle Interessierten, ein Scientific Forum für Forschende und die gesammelten Beiträge als Proceedings.

Methode

Spürhunde und Goldschakale

Speziell ausgebildete Spürhunde sind ein wertvolles Werkzeug im Monitoring – sie finden, was für das menschliche Auge unsichtbar bleibt.

Für viele Fragestellungen im Goldschakalprojekt braucht es Probenmaterial – allen voran Losung (Kot). Aus ihr lassen sich über genetische Analysen einzelne Individuen und Verwandtschaftsverhältnisse bestimmen, und über den Inhalt das Nahrungsspektrum rekonstruieren. Solche Proben im Gelände zu finden, ist allerdings die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Spürhund des Goldschakalprojekts im Einsatz
Spürhund im Einsatz – mit Projekt-Kennzeichnung.

Warum Spürhunde?

Hunde besitzen einen um ein Vielfaches feineren Geruchssinn als der Mensch. Als Conservation Detection Dogs werden sie darauf trainiert, gezielt die Losung einer bestimmten Art aufzuspüren – zuverlässig, schonend und deutlich effizienter als eine reine Sichtsuche.

Einsatz im Projekt

  • Systematisches Absuchen von Gebieten mit (alten oder neuen) Hinweisen auf Goldschakal-Vorkommen.
  • Auffinden von Losung für genetische Untersuchungen und Nahrungsanalysen.
  • Unterstützung internationaler Kooperationsprojekte in den Grenzregionen.

Sorgfältige Ausbildung

Die Arbeit mit Spürhunden erfordert ein eingespieltes Team aus Hund und Hundeführer*in sowie eine gründliche, tierschutzkonforme Ausbildung. So werden verlässliche Ergebnisse erzielt, ohne die Tiere im Feld zu stören. Unser Spürhunde-Team stellen wir unten vor.

Kooperation

Beim Einsatz von Spürhunden arbeiten wir mit den Naturschutzhunden zusammen – einem spezialisierten Verein für den Einsatz von Detektionshunden im Arten- und Naturschutz. naturschutzhunde.at

Naturschutzhunde – Logo
Wer dahintersteckt

Team

Das Goldschakalprojekt ist am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der BOKU angesiedelt. Im Team arbeiten Forschende und Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen – von der Habitatmodellierung bis zur Frage, wie Menschen den Goldschakal sehen.

Jennifer Hatlauf

Projektleitung

Initiatorin und Leiterin des Goldschakalprojekts. Universitätsassistentin am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft (IWJ) der BOKU. ORCID

Clemens Mühlberger

Habitatmodellierung & Monitoring

Hat das neue Habitatmodell für den Goldschakal in Österreich erstellt und bereitet seine Dissertation vor.

Jonas Custers

Individuelle Erkennung & Sozialverhalten (PhD)

Konzentriert sich auf die individuelle Erkennung von Goldschakalen und hat bereits zu zwei zentralen Publikationen beigetragen – zum Familienleben auf Samos und zur ersten Ansiedlung im subalpinen Raum.

Johanna Emmrich

Akustische Erhebungen & Fotofallen (Praktikum)

Absolviert derzeit ein Praktikum in Bulgarien und arbeitet dort mit akustischen Erhebungen und Fotofallen.

Xenia Follner

Human Dimension Studies (Master)

Schreibt ihre Masterarbeit zu den „Human Dimensions“ – also dazu, wie Menschen den Goldschakal wahrnehmen und mit ihm umgehen.

Interesse an einer Abschlussarbeit oder einem Praktikum? Melden Sie sich gerne. (Derzeit sind alle Plätze besetzt.)

Mit feiner Nase

Spürhunde-Team

Hundeführer*innen und ihre Spürhunde, die für das Projekt im Gelände Goldschakal-Losung aufspüren – die Grundlage für genetische Untersuchungen und Nahrungsanalysen.

Das Spürhunde-Team mit seinen Hunden auf einem Waldweg
Gemeinsam auf Spurensuche

Gabi Sauseng

Spürhunde-Team
mit Pompi

Doris Kriegsherr

Spürhunde-Team
mit Mojo und Georgina

Stefan Knöpfer

Spürhunde-Team
mit Robin Hood

Renate Ondrovics

Spürhunde-Team
mit Bruce und Cino

Daniela Hummel

Spürhunde-Team

Jules Weixlbraun

Spürhunde-Team
macht auch Nahrungsanalysen
Gemeinsam stark

Förderer & Partner

Das Projekt wird durch zahlreiche Institutionen und Kooperationen ermöglicht.

Förderer und Partner des Goldschakalprojekts
2015–2026

Chronik

Das Goldschakalprojekt seit 2015 – von der ersten Habitatmodellierung bis zum etablierten Forschungsprojekt.

  • 2026 – 4. Internationales Schakal-Symposium
  • 2025 – Zehn Jahre – und ein Buch
  • 2024 – Goldschakal-Familie in den Hohen Tauern
  • 2023 – Das Jahr der großen Resonanz
  • 2022 – Synthese in Gödöllő
  • 2021 – Ein methodisches Fundament
  • 2020 – Methodik unter erschwerten Bedingungen
  • 2019 – Auf der Spur – Spürhunde und Nahrung
  • 2018 – Internationale Verdichtung
  • 2017 – Vom Pilotprojekt zum Programm
  • 2016 – Der kleine Bruder des Wolfes
  • 2015 – Der Ausgangspunkt

Die ganze Chronik lesen

Vortrag oder Exkursion buchen

Wir halten gerne Vorträge und Workshops über den Goldschakal und andere Beutegreifer.

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